São José dos Campos, São Paulo – Polizei räumt gewaltsam die von Landlosen erbaute Wohnsiedlung Pinheirinho

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    Bewohnerinnen von Pinheirinho verlassen ihre brennendes Quartier Bild: YouTube Screenshot
    Bewohnerinnen von Pinheirinho verlassen ihre brennendes Quartier Bild: YouTube Screenshot
    Bewohnerinnen von Pinheirinho verlassen ihre brennendes Quartier Bild: YouTube Screenshot
    Bewohnerinnen von Pinheirinho verlassen ihre brennendes Quartier Bild: YouTube Screenshot

    Die Polizei ist am vergangenen Sonntagmorgen um 06:00 Uhr (Ortszeit) mit äusserster Brutalität gegen die Bewohner der Wohnsiedlung Pinheirinho vorgegangen. Die Wohnsiedlung Pinheirinho befindet sich in der Staat São José dos Campos im südöstlich gelegenen Bundesstaat São Paulo auf dem Grund eines insolventen, brasilianischen Unternehmens.

    Anfang des Jahres schlug die Polizei im Quartier auf um die Leute aufzufordern das Gebiet zu räumen und ihnen ein Ultimatum zustellen. Die Bewohner welche, seit mehreren Jahren auf dem Land lebten und dort ihre Häuser erbaut hatten, formierten sich zu einer Bürgerwehr, denn sie hatten nicht vor ihre Häuser aufzugeben. Am vergangenen Sonntagmorgen (22.01.2012) stürmte die Militärpolizei mit einem Grossaufgebot die Siedlung und vertrieb die noch verbliebenen Bewohner aus ihren Häusern, ihrem Quartier. Dabei gingen sie mit äusserster härte und bewaffnet mit Tränengasgeschossen aber auch scharfer, tödlicher Munition, selbst gegen Frauen und Kinder vor. Bei der Aktion sollen, verschiedenen brasilianischen Medienberichten, zahlreiche Leute verletzt und zwei sogar ums Leben gekommen sein.

    Video: Das Massaker von Pinheirinho

    Dieses 15 lange Video fasst die Situation rund um die Räumung und ihre Hintergründe. Es zeigt vor allen Dingen auch das brutale vorgehen der Polizei, welche auch vor Kinder nicht halt machen. Man hörte ganz am Anfang des Videos, wie Männer der Polizei zuschreit, das Kinder hier sein –die Polizei feuert trotzdem ihre Gasbomben ab.

    Polizei geht auch in den Auffanglagern hart gegen die Leute vor

    Der Polizei war dies aber anscheinend nicht genug. Nach der Räumung von Pinheirinho (oder auch gleichzeitig, ich kann es nicht genau eruieren) gingen die „Staatsmacht“ auch gegen die, vom Bürgermeister San Joses errichteten Auffanglager vor. Dort suchten sie (angeblich) nach Personen der zuvor „zusammentrommelten“ Bürgerbewegung. Dabei gingen sie mit der gleichen härte und den gleichen Mitteln gegen ihre eigenen Landsleute vor. Das harte Vorgehen der Polizei wird im ganzen Land aufs Äusserste kritisiert. In zahlreichen brasilianischen Städten formierten sich Leute zu Protestaktionen zusammen. Dabei gingen sie, laut Medien berichten, so weit um von der brasilianischen Präsidentin zu fordern, die Besitzer des Landes auf, welchem sich die Siedlung Pinheirinho befindet, zu enteignen und den Bewohnern zu übergeben.

    Gegen die Räumung Protestierende Foto von Robson B Sampaio auf Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)
    Gegen die Räumung Protestierende Foto von Robson B Sampaio auf Flicker (CC BY-NC-SA 2.0)

    Weitere Bilder der Proteste gegen die Räumung von Pinheirinho gibt es im Fotostream von Robson B Sampaio auf Flickr

    Gelder aus dem Projekt „Minha Casa, Minha Vida“ für Pinheirinho

    Persönliche Anmerkung: Realistischer erschiene mir zu fordern, den Besitzern den Grund abzukaufen. Gelder dafür könnten aus dem Programm „Minha Casa, Minha Vida“ (Mein Haus, mein Leben) abgezweigt werden. Die Präsidentin gab anfangs Jahr bekannt, dass für das Programm weitere Gelder bereitgestellt werden. Beim Programm geht es um den Staatlichen-Bau von 2 Millionen Häusern, die an Familien mit einem Einkommen unter 1600 Reis vergeben werden.

    Video: TV Bericht eines brasilianischen Senders

    Das Video zeigt ab ca. Minute 1:45 wie Leute einen Verletzten in ein Privatauto bringen. Dieser wurde angeblich von einem Geschoss getroffen als er sein 10 Monate alten Sohn vor dem Kugelhagel schützen wollte. Es zeigt ausserdem wie die Polizei unaufhörlich Gasbomben in die Menge feuert.

    Auch in der Nacht zum Dienstag kam es in benachbarten Stadtvierteln zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Autos, Geschäfte und Behörden gingen in Flammen auf. Ein Mitglied des Gewerkschaftsverbands CTP-Conlutas berichtete der jungen Welt gegenüber, dass derzeit nach Verschwundenen, Verletzten und eventuellen weiteren Todesopfer gesucht werde. Es werden der Zeit mehrere Aktivisten vermisst, die Militärpolizei, weigere sich Informationen über deren Verbleib, zu geben.

    Video: Plizei schlägt auf unbewaffneten Mann ein

    Dieses Video zeigt wie einige Polizisten in einem Auffanglager um herstreift und grundlos auf einen unbewaffneten Mann einzuschlagen beginnt und wahrscheinlich nur wegen der laut schreienden und filmenden Menschen-Masse, von ihm ablässt.

    Hintergrund

    Hintergrund der tragischen Geschichte ist, dass sich seit 2004 Landlose „illegal“ auf dem Gelände niedergelassen haben. Dort haben sie ihre Häuser und eine Infrastruktur aufgebaut. Zuerst waren es um die 500 Obdachlose – das war um das Jahr 2004. Bis zur Räumung am vergangenen Sonntag nannten bereits 6000 Personen Pinheirinho, ihr Zuhause. Das Gelände gehört einem bekannten Finanzspekulanten Namens Naji Nahas, welcher im Jahre 1989 für Schlagzeilen um seinen Prozess wegen illegaler Finanzgeschäfte, sorgte. Nach dem Er 1989 freigesprochen wurde ist er im Jahre 2008 erneut wegen Verdachts auf Veruntreuung, Korruption und anderen Delikten verhaftet worden. Zurzeit befindet sich Nahas auf freiem Fuss. Anderen berichten zu folge gehört das Gelände inzwischen Zeit der Stadt São José dos Campos. Dies, weil ein früheres Unternehmen Naji Nahas, insolvent wurde und das Gelände zwecks einer Tilgung der Schulden bei der Stadt an diese überging.

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